
Apropos Hitler-Motiv bei der Plakat-Aktion zu NEUE MITTE ALTONA
Ist das denn nicht grrrößenwahnsinnig: die Bahnflächen – statt diese Wunde in einem längeren Zeitraum von den Rändern her wieder zuwachsen zu lassen – auf einem Schlag zu zu betonieren mit riesigen Baublöcken mit teilweise 8 Stockwerken? Darin sollen stattfinden: 33% Eigentums- und 33% frei finanzierter (hochpreisiger) Mietwohnungsbau aber nur 22% auf dem ersten Förderweg geförderter Wohnungsbau und der auch nur mit einer Mietpreisbindung von 15 Jahren. Das bedeutet für die Kinder von Eltern mit geringem Einkommen, dass sie auf der dort vorgesehenen Stadtteilschule kein Abitur machen könnten, weil ihre Familien schon vorher wegziehen müssten wegen Wegfall der Mietpreisbindung . Bleiben wir bei den Kindern : bei 22 Baublöcken sind äußerst knapp bemessene Innenhöfe vorgesehen. Hier werden die Kinder nicht unter Bäumen spielen können, denn die werden dort nicht wachsen, weil die Innenhöfe von Tiefgaragen untertunnelt sein werden. Diese Planungen sind so unfassbar kaltherzig, dass es u.E. gerechtfertigt ist, mit dem satirischen Rückgriff auf den GröBaZ (grrrößten Bauherren aller Zeiten) diesen sogenannten „Masterplan“ für die NEUE MITTE ALTONA anzugreifen.
Anwohner_innen Initiative Altopia
So schrieben wir vor einigen Wochen. Dazu hat das Autonome Zentrum Altona auf seiner Website eine Stellungnahme abgegeben (und in dieser auf unseren Blog verlinkt), die wir den Besuchern unseres Blogs auch nicht vorenthalten wollen:
Stellungnahme zu den Hitler-Plakaten am IKEA Bauzaun
25. April 2012
in texte
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In den letzten Wochen wurden am Bauzaun des zukünftigen Ikea-Areals an der Großen Bergstraße Plakate angebracht, die sich satirisch mit der Umstrukturierung Altonas auseinandersetzen.
Mediale Beachtung erfuhr diese Aktion deshalb, weil eines der Plakate ein Bild Adolf Hitlers zeigte, zusammen mit dem Chef des Wehrmachtführungsstabes Alfred Jodel. Letzterer war maßgeblich an der Planung des Angriffs auf die Sowjetunion beteiligt. Die Deportationen der europäischen Jüdinnen_Juden bezeichnete Jodel als „staatliche Notwendigkeit“.
Wir sind uns dessen bewusst, dass ohne dieses Plakat die Aktion von der bürgerlichen Presse unbeachtet und somit einer breiten Öffentlichkeit unbekannt geblieben wäre. Ein Bild Hitlers zu verwenden ist dabei ein absolut sicheres Mittel, die gewünschte Aufmerksamkeit zu erregen.
Gründe dafür sind aber nicht die städtebaulichen Planungen im Nationalsozialismus, sondern die millionenfache, industrielle Vernichtung von Menschen, die im Sinne der „Nürnberger Rassengesetze“ als jüdisch galten, die Ermordung der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Homosexuellen, der damaligen Systemgegner_innen, Widerstandskämpfer_innen und deren Familien.
Auch wenn es von den Gestalter_innen der Bilder vielleicht nicht beabsichtigt war: Der gewünschte Werbeeffekt ist nicht zu haben, ohne die Opfer des deutschen Faschismus zu instrumentalisieren.
Wir lehnen eine solche Werbestrategie ausdrücklich ab.
Gerade im Land der damaligen Täter, in dem noch immer zu viele Menschen versuchen, einer ehrlichen Aufarbeitung zu entgehen, indem sie ihren Familiengeschichten einen erfundenen jüdischen Großvater oder eine Tante im Widerstand hinzufügen, anstatt sich der historischen Verantwortung zu stellen, darf es nicht hingenommen werden, dass die Funktionäre des NS zu beliebigen „Feindbildern der linken Szene“ reduziert werden, wie es die mopo als Reaktion auf die Plakate tut.
Die Anwohner_innen Initiative Altopia tut sich in Sachen Relativierung ganz besonders hervor.
Das Plakatmotiv verteidigend stellt sie auf ihrem Blog unter Anderem klar:
„Diese Planungen sind so unfassbar kaltherzig, dass es u.E. gerechtfertigt ist, mit dem satirischen Rückgriff auf den GröBaZ (grrrößten Bauherren aller Zeiten) diesen sogenannten „Masterplan“ für die NEUE MITTE ALTONA anzugreifen.“
(der gesamte Text ist unter http://altopia.blogsport.de/ nachzulesen – wir wollen den Quatsch hier nicht in voller Länge dokumentieren)
Bleibt nur noch zu sagen, dass wir als Kampagne für ein AZ in Altona die Erklärung Altopias für so unfassbar Geschichtsvergessen halten, dass wir jede Zusammenarbeit mit dieser Initiative für die Zukunft ablehnen.
Es gab eine lebhafte Debatte im Recht auf Stadt Netzwerk zu dem Thema unter der (treffenden) Betreffzeile: „Hitler – der böse Stadtplaner“, an der die wir von ALTOPIA uns mit folgendem Beitrag beteiligt haben:
Welche Gedankenverbindungen stellen sich denn spontan zu A.H. noch ein außer Krieg und Judenvernichtung? Das sind doch: Autobahnen und monströs monumentale Bauwerke bis hin zur Volkswagen – Stadt (später Wolfsburg).
Schon anlässlich der Architektur-Olympiade (2006) hieß es in der Kurzbeschreibung für die dort vorgelegte Astoc Wes-Studie zum Bahngelände Altona: „Das Gebiet soll nicht von den Rändern her zuwachsen, sondern ein neuer Stadtteil entstehen mit einer ganz eigenen städtebaulichen Figur“. Genau diese Absichten werden jetzt aber von den Investoren in Zusammenarbeit mit der Stadt umgesetzt mit dem sogenannten „Masterplan“ für die NEUE MITTE ALTONA . Eine solche Planung, mit der auf einen Schlag ohne Rücksicht auf die sozialen Probleme der benachbarten Stadtteile nach dem Muster der Hafencity ein weiterer Stadtteil aus den Boden gestampft wird, diesmal als ein (Wohlstands-)Mittelstands-Ghetto, ist absolut rückwärts gewandt.
Eine solche Planung ist nicht zukunftsweisend, weil sie nur scheinbar einfache Lösungen für komplexe stadtentwicklungspolitische Probleme anbietet – z.B. den „Drittelmix“!
Als wir während der entscheidenden Sitzung der Bezirksversammlung Altona am 26.01.2012 ein Transparent von der Empore (unbehelligt übrigens) herabgehängt hatten mit dem Text : „Masterplan ist Größenwahn!“, wollten wir genau die Gedankenverbindung auch herstellen, die dann mit dem Hitler-Motiv visualisiert wurde.
Wir haben uns daher gefreut und fühlten uns verstanden von dem/den Menschen, der /die sich dieses Motiv der Plakat-Kampagne ausgedacht hat/haben. Und wir haben natürlich herzlich gelacht. Die Ansicht, dass wir (zunächst einmal für uns selbst) in diesem Augenblick die Verbrechen des NS-Regimes in Sonderheit das der Shoa relativiert hätten, können wir nicht teilen. Oder dass das Gleiche geschehen sei durch die Veröffentlichung dieses, die Sachverhalte satirisch zuspitzende Plakat.
Wir wehren uns energisch gegen diesen, unserem Gefühl nach einer Art Gesinnungs- TÜV-Denken entspringenden Vorwurf! Das letzte, was wir alle in einer Zeit, in der es buchstäblich „um Alles“ geht, brauchen, sind Denk-Verbote!
Wir müssen stattdessen jederzeit den Bezug herstellen können zu den schrecklichen Denk-Irrtümern der Vergangenheit, zu denen es gehörte, dass die Zukunft immer nur in großen Würfen auf einen Schlag und unter Inkaufnahme von Opfern zu gestalten sei – nachdem zuvor die Probleme, die bei der Verwirklichung derart hochfliegender Pläne entstehen könnten, auf schrecklichste Weise vereinfachend klein geredet wurden.
Wir bedanken uns beim Autonomen Centrum Altona Bahnhof für die Denkanstöße und erklären, dass wir gerne wie bisher schon auch weiter dafür eintreten wollen, dass dieses Projekt in Altona verwirklicht werden kann.
Anwohner_innen Initiative ALTOPIA