Archiv für März 2012

Abendblatt Artikel von Axel Tiedemann vom 24.03.2012

In der Neuen Mitte sollen 3500 Wohnungen gebaut werden. Wem gehören eigentlich die Grundstücke, und wer bestimmt die Preise?

ABENDBLATT – ARTIKEL

(frei nach Bertold Brecht): „Wenn die Regierung mit dem Volk nicht mehr zufrieden ist, wählt sie sich ein anderes ….“

Die Einsteiger-Infoveranstaltung der BSU war mit etwa 40 Teilnehmer_innen nur mäßig besucht. Dazu kamen noch einmal 10 von uns, also den üblichen Verdächtigen, die wir ja garnicht eingeladen waren! So schnell wird die BSU also die neuen „Beteilugngsbürger“ nicht gewinnen können, die den Masterplan (anders als wir) dann erstmal ganz toll finden. Es ist uns, ganz vorne an den Sprechern der Koordinierungsgruppe, gelungen ein starkes Gegengewicht zu den Vortragenden von BSU und der steg zu bilden. Viele sind früher gegangen. 20 sind geblieben, die weit überwiegend zum Schluss auf unserer Seite waren ….

Veranstaltung 20.03.2012

wir möchten auf die Bedeutung der heutigen Abendveranstaltung zum Bahngelände Altona hinweisen und die Einladung mit folgenden Informationen ergänzen:

(frei nach Bertold Brecht): „Wenn die Regierung mit dem Volk nicht mehr zufrieden ist, wählt sie sich ein anderes ….“

Im Stadtentwicklungsausschuss (am 10.02.2012) wurde den Mitgliedern über den Planungsstand und die Forderung der Bürger nach einem Moratorium berichtet. Die zur Berichterstattung eingeladene Jutta Blankau (die Chefin der BSU) lehnte ein solches Vorhaben kategorisch ab und wünschte sich stattdessen, dass zu dem Planungsprozess „zukünftig noch viel mehr Bürger dazu kommen und sich beteiligen“ sollten.

Bitte unterstützt uns weiterhin nach Kräften!

SPD-Stadtentwicklungspolitiker stellen sich zum Gespräch

Die „Planungsbürger“ zum Thema Mitte Altona haben am 01.03.2012 im Infozentrum Harkortstraße 121 mit dem stadtentwicklungspolitischen Sprecher der SPD dem MdBü Andy Grote gesprochen . Begleitet wurde er von der vertretenden Fraktionsgeschäftsführerin MdBü Gaby Dobusch. Eingeladen hatte das im Dezember vergangenen Jahres gewählte Koordinationsgremium zum Bahngelände .

Andy Grote ist kein Dummer. Er verteidigte den Masterplan auf einem hohen Niveau. Dabei wurde deutlich: sie planen für den „Normalbürger“ und zielen damit auf den Mittelstand. Bezüglich des Themas Autofreiheit z.B. hieß es: sie anerkennen, dass auch Menshen mit geringerem Einkommen nicht gerne auf ein Auto verzichten würden. Da wollten sie auf diese Menschen „durch Stadtplanung erzieherisch nicht einwirken“. Sie gehen auch davon aus, dass die 33% Eigentumswohnungen in ihrem „Drittelmix“ den Nachfragedruck nach jenen in Ottensen abschwächen könnten, so dass die Nachfrage nach dieser Wohnform Altona erhalten bliebe. Und sie wissen auch nicht, wie sie es ihren Genossen in der Bezirksversammlung Altona gegenüber vertreten sollten, wenn sie den Masterplan in der Bürgerschaft ablehnen würden – nachdem die doch in der Bezirksversammlung am 26.02.2012 zugestimmt hätten. Müssten die denn nicht noch mehr von Altona verstehen als sie in der Bürgerschaft, fragte Frau Dobusch die Anwesenden und sich selbst. Insgesamt wurde deutlich: die SPD ist entschlossen, den „Masterplan“ zu verabschieden – wenn auch noch nicht im März und vielleicht auch noch nicht im April. Da geht also vielleicht noch was …..

Wir haben bei dieser Gelegenheit das unten angehängte Flugblatt verteilt:

Die Bahn hat die Planer im Stich gelassen ….

Diese weigern sich nun anzuerkennen, dass der Masterplan kein „Masterplan“ mehr ist ohne die Verlegung des Bahnhofs.
Wie ist es dazu gekommen? Als Ende des Jahres 2007ein Konsortium bestehend aus Hochtief und Redwood Grove Int. die Bahntochter AURELIS (und somit auch die Flächen hier in Altona) gekauft hat, war absehbar, dass dieses Konsortium die Flächen auch zu entwickeln beabsichtige. Da schien es naheliegend, im gleichen Atemzug die anliegenden Flächen der Bahn AG mit zu überplanen, da diese ja in der Vergangenheit schon mehrfach geäußert hatte, sie wolle an und für sich den Altonaer Bahnhof zum Diebsteich verlegen. Was ursprünglich eine geniale Idee war, erweist sich aber nun als ein Bumerang. Denn von dem ursprünglichen GESAMTKUNSTWERK , bei dem alle Teile aufeinander abgestimmt waren, bleibt jetzt erst einmal nur noch ein TORSO übrig, über dessen Gestaltung nun erneut nachgedacht werden müsste – wenn man denn verantwortungsvoll planen würde.

Als in hohem Maße problematisch ist der im Masterplan festgeschriebene „Drittelmix“ für den Wohnungsbau anzusehen, der auf Anhieb ja erst einmal sympathisch wirkt. Tatsächlich aber ist er eine fantasielose technokratische „Mixtur“ ohne Berücksichtigung der sozialen Realität der Verhältnisse in dieser Stadt. In Hamburg wohnen nämlich 80% der Einwohner zur Miete. Fast 50% davon wohnen schon oder wären berechtigt zu wohnen in staatlich geförderten Wohnungen d.h. sie haben Anspruch auf den sog. § 5- Schein! Daraus ergibt sich, dass auf der neu zu bebauenden Fläche des Bahngeländes mindestens 50% geförderter Wohnungsbau realisiert werden müsste und zwar mit einer Bindungspflicht von 30 Jahren – also nicht nur mit dem gegenwärtigen „Verfalldatum“ von 15 Jahren! Wenn diese Absichten der Technokraten tatsächlich von den Parteien in der Bürgerschaft (die Bezirks-SPD hat sich diesbezüglich leider schon festgelegt!) gebilligt würden, können wir junge Familien mit geringem Einkommen nur warnen, in diesen neuen Stadtteil zu ziehen. Denn noch bevor ihre Kinder Abitur gemacht haben werden, müssten sie schon wieder umziehen. Man könnte einwenden, so viele Kinder aus Familien mit geringem Einkommen machen doch gar kein Abitur. Aber das wäre doch zynisch. Oder?

Die anderen Bestandteile des „Drittelmix“ sind: 33% frei finanzierte Miet- sowie 33% Eigentumswohnungen.

Wir befürchten, dass das neue Wohngebiet dem selben Gentrifizierungsprozess ausgesetzt wird wie die angrenzenden Stadtteile – nur auf einen Schlag. Und damit nicht genug: diese Prozesse werden in der Nachbarschaft des Planungsgebietes beschleunigt und letztlich unumkehrbar werden. Dies zu einer Zeit, in der die Voraussetzungen für die Errichtung einer sozialen Erhaltensverordnung in diesen Stadtteilen (sogar für Ottensen!) geprüft werden!

So kann unseres Erachtens aber Zukunft nicht geplant werden! Deshalb sagen wir: Der „Drittelmix“ ist weder sozial noch demokratisch. Und auf einen Schlag in einem Neubaugebiet 33% Eigentumswohnungen zu realisieren, ist asozial!

Dr. med. Thomas Leske

Anwohner_innen Initiative ALTOPIA – altopia.blogsport.de – bahnhof@klubraum.org