Archiv für November 2012

PROJEKTENTWICKLER unsere neuen Ansprechpartner?

Bei diesem BEITRAG geht es darum, dass die Stadt sich mehr und mehr aus ihrer Aufgabe, die Quartiere zu entwickeln, zurückzieht und diese hoheitliche Aufgabe auf Eigentümern (wie in usrem Fall des Bahngeländes Altona) oder (wie hier bei der RINDERMARKTHALLE) Generalmietern überträgt, wenn (wie in diesem Fall) die Flächen ihr selbst gehören. Eigentümer und Generalmieter beauftragen dann ihrerseits sog. PROJEKTENTWICKLER mit den Aufgaben der Entwicklung.

Die INITIATIVE „Schanze selbermachen“ hat zum Thema folgenden Text verfasst:

„Heute war Spieleabend im Haus der Familie. Die Projektierungstruppe Rindermarkthalle von Herrn Maßmann und seinen Leuten spielte mit Hilfe von Bezirk und Edeka „Bescherung“ für alle Bürger, die sich nicht über die überdimensionierte Planung von 10.000 qm Konsumfläche (nach unabhängigen Gutachtern brauchen die Stadtteile
3.500 qm Nahversorgung) inklusive SchickiMickiMarkt und Kita, beschwert haben. Dabei durfte man sich um 800 qm „Soziokulturelle“ Schattenfläche balgen, oder besser beantragen, sich zu balgen. Es gab allerdings auch Menschen aus den anrainenden Vierteln, die bei dem Placeboverteilen nicht mitmachen wollten. Einige hatten sich per Flyer zu Wort gemeldet:

Lügen, Nix und kurze Beine.

Man kann versuchen eine alte Lüge mit einer neuen zu vertuschen, aber irgendwann kommt man mit den Füssen nicht mehr ans Gaspedal.

Was mussten wir hier in Sachen Rindermarkthalle nicht schon alles schlucken:

Erst hat der ehemalige Bezirksfürst „Pennervertreiber“ Schreiber versucht, uns zu erklären, dass wir hier dringend eine Musikhalle brauchen, damit wir abends wissen wohin wir gehen können. Damit wir einen Platz haben, wo wir unsere vielen tausend Freunde aus Bielefeld treffen könnnen, oder damit unsere Freunde einen Grund hätten, uns zu besuchen, wenn die Kohle nicht für ein Musicalticket gereicht hat. Nachdem wir Schreiber deutlich erklärt haben, dass wir in Bielefeld und sonst wo gar nicht solche Freunde haben, haben sich Bezirk und Senat mal kurzgeschlossen und eine nicht wirklich neue Idee verkündet:

Wir bräuchten Nahversorgung (was wir wussten) und zwar in ganz groß (was wir nicht wussten. „Teuer“ sagt man heutzutage nicht mehr, das klingt nämlich ärmlich). Deshalb hat sich der neue Bezirksfürst „Vizevertreiber“ Grote vors Volk gestellt und gesagt, es solle mitreden. Natürlich mit Hilfe, weil es allein zu blöd ist. Die Hilfe besteht aus einem alerten ECE-Manager – Peter Maßmann. Der bis dahin mit dem Otto-Erben und ECE- Chef Alexander Otto europaweit Kaufpaläste hingeknallt hat, wo vorher noch Einzelhandel war. (Einzelhandel ist wohl oldfashioned und nicht stylish – stylish ist: überall dasselbe, wo sich nur noch die Städtenamen unter- scheiden). Der jetzt Ex-ECE- und Immernoch-SPD-Mann Maßmann gründete für diesen Coup fix eine Beratungsgesellschaft (Maßmann und Co.) und behauptete nun, er könne sich in unseren Bedürfnissen und die hiesigen Nachbarschaften hineinversetzen. So macht Maßmann und Co. nicht nur die Hauptplanungen, sondern auch gleich die Bürgerbeteiligung.

Die gibt es eigentlich gar nicht, denn es steht fest: Herz der Anlage wird die vierte große Edeka-Bude im Einzugsgebiet, die fünfte Budni-Filiale und die vierte Aldi-Einkaufsmöglichkeit, auf zusammen 6500 qm, plus 3.500 qm Marktplatz (für die man fast alle mobilen Händler, von fast allen Wochenmärkten abziehen müsste, um dann dasselbe zu verkaufen, wie bei Edeka. Ein super Plan: Das ihnen Fachleute vorrechnen, dass man für Nahversorgung hier maximal 3.500 qm braucht und man in der Halle, statt der nötigen 30 Mio. Jahresumsatz, im besten Falle 20 Mio. schaffen kann, störte niemanden. Das Drumrum geht zu Niedrigpreisen an Moschee, Kita und Minibüros. 4% – der kümmerliche, verschattete Rest – bleibt für sogenannte „soziokulturelle Nutzung“, damit das Volk die Fresse hält. Fertig ist die „Super-Luxus-Vorzeige-Leuchturm-Mall“ mit Volksspielplatz. Ein gigantisches Zuschussgeschäft, aber super, um das niegelnagelneue sogenannte „E-Center- Konzept“ von Edeka durchzudrücken, mit dem man in Zukunft die meisten Innenstädte des Landes zupflastern will. So steht es zumindest bei Edeka in den Papieren. Und wenn ́s nicht klappt, kann man ja gehen. Wie alle vorher.

Was das mit uns zu tun hat: Nix. Nullkommanix.

Und mit „Nix“ fängt auch die dritte dreiste Grote/Maßmann-Lüge an: Nix wäre fix – alles, außer den drei großen Läden und der Moschee, wäre diskutierbar. Wahr ist: Die Pläne sind alle schon gezeichnet, die Bauarbeiten haben längst begonnen und was nicht in Edekas bzw. Maßmanns Konzept steht, wird es nicht geben, weder vor noch nach einer Debatte. Die sind längst durch mit uns Bürgern.

Die brauchen uns als Mitmachhasen und nicht als Störenfriede.

Wir aber brauchen, wollen und fordern eine „realistische Nahversorgung“, ein „angemessenes Angebot“ – bei einer „echten Beteiligung“ der Menschen aus den angrenzenden Vierteln. Wir brauchen dringend mehr Raum für soziale Zwecke und zwar nicht als milde Gaben von einem Konzern. Wir fordern diesen Raum von der Stadt, weil die soziale Arbeit, die wir mit Kindern, Alten, Kranken, Schwächeren und Ärmeren in den Vierteln machen, Daseinvorsorge ist. Eine Arbeit für die eigentlich der Staat verantwortlich ist, die er jetzt versucht auf private Investoren abzuschieben, die uns dafür mindestens 5 €/qm eiskalt abnehmen, bei ca. 3,90 €/qm Kostenmiete. Aber so sind die, die machen sogar noch mit Mitmenschlichkeit Geschäfte.

Der einzige Ausweg ist eine Neuverhandlung der Verträge zwischen Edeka und Hamburg (das sehen einige nachdenkliche Edeka-Manager übrigens auch so), die von vorne herein mindestens 19% Fläche, drinnen und draußen, für soziale Belange und autonom verwaltet vorhalten und dauerhaft festschreiben. Weil darüber aber niemand redet und niemand reden will, sind wir heute beim Maßmann-Kasperleweihnachtstheater nicht dabei. Aber wir bleiben dran. Nebenan.

Unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Vierteln.“

Unser Kommentar dazu:

Es handelt sich bei der Rindermarkthalle (genauso wenig wie beim Bahngelände Altona!) ja nicht nur um irgend ein Haus auf einem Grundstück in der Innenstadt, sondern im Wortsinne um ein „Areal“und eine riesige (denkmalgeschützte) Halle. Und die Beplanung berührt gesamtstädtische Belange. Wenn schon die Stadt (Politik und Fachamt) auf würdelose Weise, ihre Planungshoheit (die sie im Auftrag von uns Bürgern auszuüben hat) dem Konzern EDEKA als Gesamtmieter hinwirft und dieser Esswarenhöker dann seinerseits einen „Projektentwickler“ beauftragt, mit dem die Moschee und die Träger der soziokulturellen Einrichtungen dann Mietverträge und Nutzungsbedingungen aushandeln sollen – ja dann müssen wir Aktivist_innen doch unsere Würde als Kämpfer nicht auch noch hinterher werfen. Mit dem „Projektentwickler“ Maßmann sollten wir überhaupt nicht sprechen. Mit Söldnern macht man höchstens eine Feuerpause bis zum Morgen aus, aber doch keinen Waffenstillstand oder verhandelt gar über einen Friedensvertrag!

Die Sache mit der Moschee bekommt noch einen besonderen Akzent nachdem die Stadt mit „den“ Muslimen einen Staatsvertrag ausgehandelt hat: sie kann doch nun nicht ernsthaft erwarten, dass deren Verbände bei EDEKA als Untermieter unter kriechen. Das Mindeste wäre dass die Finanzbehörde die SpriAG anweist, Anteile der nutzbaren Flächen aus dem Vertrag mit EDEKA herauszunehmen und DIREKT an die Moschee zu vermieten – und natürlich gleicherweise auch an alle anderen sozio-kulturellen Einrichtungen!

Wir hatten diesen Kommentar als Nachricht auch an Andy Grote (unseren „Bezirksbürgermeister“ Mitte) auf seiner fb-Seite gesandt. Man soll ja nichts unversucht lassen.

Die „taz“ zu IKEA ….

…. endlich einmal ein Beispiel parteiischer und dennoch sachlich korrekter Berichterstattung. Eine Erholung unter all den weichgespülten „einerseits/andererseits“ Artikeln, die man sonst in den großen Hamburger Gazetten zu lesen bekommt:

http://taz.de/Moebelhaus-in-Altona/!105502/

…. auch der Kommentar ist lesenswert:

http://taz.de/Kommentar-Ikea-Ansiedlung/!105503/

Zu Besuch bei IKEA – Fortsetzung ….

…. aus aktuellem Anlass (weil sich IKEA gestern Abend wieder auf eine „breite Zustimmung“ der Altonaer bei dem Bürgerentscheid berufen hat!) dazu hier in aller Kürze: Die Initative Kein-Ikea-in-Altona hatte zuerst ein Bürgerbegehren angeschoben. Kurz danach haben einige Einzelhändler von der GBS, die Bezirksverwaltung und die sogenannte „Bezirkspolitik“ eine beispiellose PRO-IKEA Kampagne losgetreten. Nachdem auch DIE LINKE sich gegen IKEA erklärt hatte, war es für die „anständigen“ Parteien geradezu eine Ehrensache, dafür zu sein. Während die Aktivisten im Stadtteil und Ottensen gegen das Vorhaben Unterschriften sammelten, sammelte die CDU welche dafür in Blankenese! Das Thema war zu einer Machtprobe für die Machthabenden geworden! Vernünftige Argumente konnten nicht mehr berücksichtigt werden. Und so ist es bis heute geblieben. Die Initiative hatte schließlich fast 8.000 NEIN-Unterschriften abgegeben und fast 20.000 Menschen (ganz offenbar aus dem Einzugsgebiet!) haben bei PRO-IKEA mit NEIN gestimmt. Ein Bürgerentscheid zum Bürgerbegehren der Initiative wurde schon gar nicht mehr durchgeführt, obwohl dafür alle Voraussetzungen erfüllt waren!

Wer sich auf einen „Sieg“ beruft, der unter derart unfairen Bedingungen zustande gekommen ist, sollte sich schämen!

Hier nachfolgend ein schöner Video-Bericht. Danke an utopie TV!

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=9ULnRLSftX0

Film zum Brandanschlag in Mölln ….

Das wöchentlicheTreffen fiel aus, weil wir im Gängeviertel waren, um uns den u.a. Film anzusehen. Der zweite Teil der Veranstaltung (nach dem sehr bewegenden Film!) bestand in einer Podiumsdiskssion, in der die Hintergründe damals vor 20 Jahren beleuchtet und Ausblicke auf mögliches gemeinsames Handeln in der jetzigen Zeit zu finden versucht wurden.

‚Nach dem Brand‘ (Brandanschlag in Mölln 1992)

13. November 2012
20:00 -22:00 Uhr

Gängeviertel e.V.

In Mölln legen am 20. November 1992 Neonazis einen Brand im Haus der
türkischstämmigen Familie Arslan.

Zu Besuch bei IKEA ….

Wir von ALTOPIA haben ja den ganzen Stadtteil im Blick und nicht nur die Zukunft des Bahngeländes, deshalb haben wir bei der Werbeveranstaltung von IKEA heute im Altonaer Museum folgendes Flugblatt verteilt:

Aufruf gegen Resignation und Tatenlosigkeit ….
IKEA will nun loslegen!
Ist jetzt alles vorbei? Sollen wir jetzt die Hände in den Schoß legen?

Die wichtigste Feststellung ist erst einmal: Mit dem Bau von IKEA ist die Frage, ob IKEA gut ist für diesen Stadtteil, doch nicht mit „Ja“ beantwortet! Es besteht doch weiterhin kein Zweifel: “Besseres als IKEA“ (wie wir immer gefordert haben und weiterhin fordern) hat dieser Stadtteil allemal verdient!

Während der Bauphase und danach sollen Widerstand und Kampf weiter gehen! Auch ganz aktuell für den Erhalt des Goetheplatzes: dort leisten wir Widerstand gegen das monströse Bauvorhaben der Firma Hermann Friedrich Bruhn an der Westseite des Platzes, der sog. „Bergspitze“. Bei unserem Widerstand geht es uns nur zu einem Teil darum, wie es dort einmal aussehen soll, sondern wir stemmen uns vor allem gegen die Aufwertungsprozesse, die mit allen diesen so genannten „Leuchtturmprojekten“ verbunden sind und letzten Endes zur Verdrängung der hier ansässigen Menschen führen werden.

Wir werden auch weiter aufklären über die Widersprüche zwischen der Firmenphilosophie von IKEA – die sich ja geradezu als Wohltäter der Menschheit aufführen und deren tatsächlicher Ausbeutung ihrer Beschäftigten, der Ausbeutung der Menschen, die die Produkte in fernen Ländern herstellen, der Beteiligung an der Zerstörung von Urwäldern und nicht zu vergessen: ihren trickreichen Verkaufstaktiken gegenüber ihren Kunden.

IKEA wird uns behilflich sein, vielen Menschen dieses klar zu machen, denn es wird uns jeden Tag Tausende von Menschen in den Stadtteil spülen, die wir aufklären und zum Umdenken veranlassen können!

Weiter: kommt IKEA nun, werden sie sich nicht lange halten können. Schon bald werden sie erkennen, dass sie sich bezüglich des Umsatzes verrechnet haben. Wir geben ihnen nur wenige Jahre. Dann werden wir erleben, wie dieser Klotz leer steht und Risse bekommt. Dann aber werden die Menschen, die hier wohnen, sich den (dann ehemaligen) Konsumtempel aneignen und für sich nutzen!

Es werden Wohngemeinschaften einziehen und ein Stadtteilbüro, Alten – und Jugendhilfeeinrichtungen, kleine Geschäfte und vielfältige kulturelle Angebote werden gemacht werden …

In den riesigen Kellergeschossen wird ein Schwimmbad entstehen und Übungsräume für Musik – Bands ….
Die riesige SB – Halle wird verwandelt in eine Mehrzweckhalle für Sport und kulturelle (Musik-) Veranstaltungen ….
Auf dem obersten Parkdeck wird ein Garten entstehen mit großen Rasenflächen – auch zum Sonnenbaden ….

Also Leute, nicht verzagen! So oder so: ohne IKEA oder mit IKEA als Übergangsstadium (!) eine gute Zukunft für unseren Stadtteil ist nahe. Wir alle müssen nur noch ein bisschen dafür tun – jeder an seinem Platz!

Anwohner_innen von Altona Altstadt – Weiteres auf: www.altopia.blogsport.de