„Rauchen & Saufen für Bürgerrechte & Demokratie“

Neues aus Absurdistan: Bericht von der Kampagne „Rauchen & Saufen für Bürgerrechte & Demokratie“!

Am 10.01.13 gegen ca. 18.35 Uhr traf sich auf dem Vorplatz des Hamburger Hauptbahnhofes eine Diskussionsgruppe von 6 oder 7 meist jungen Leuten unter dem Vordach zur Wandelhalle/Kirchenallee. Nachdem die Gruppe etwa eine gute halbe Stunde unbehelligt geblieben war, tauchte eine Gruppe von 8 Angestellten der DB-Sicherheit in typischer schwarzer Dienstbekleidung auf – darunter eine junge Frau . Der Wortführer stellte einen der jungen Leute, der eine Zigarette rauchte, barsch zur Rede und verwies ihn auf ein Rauchverbot an diesem Ort. Der Angesprochene löschte seine Zigarette nicht, sondern verwickelte den DB-Angestellten in einen argumentativen Wortwechsel – ohne dabei laut zu werden. Der Angestellte rückte nun mit in Brusthöhe gehaltenen Händen ganz dicht an den jungen Mann heran („Tuchfühlung“) und forderte ihn mit erhobener Stimme auf, sich in Richtung Taxen-Stand zu entfernen. Ein älterer Teilnehmer der Diskussionsgruppe sah, wie der erwähnte Angestellte Lederhandschuhe anzog (die er bis dahin nur in der linken Hand gehalten hatte) sprach ihn mit den Worten an: „Warum machen sie das? Sie wollen den Mann doch nicht etwa anfassen“. Ohne darauf einzugehen, begann der Angestellte plötzlich, den jungen Mann (der keine Gegenwehr leistete !) mit den Händen gegen seine Brust schiebend und stoßend so zu drehen, dass er ihn schließlich mit dem Einsatz seines Körpers (mit dem Bauch) schnell in Richtung Taxen-Stand an den Rand der Glasüberdachung schieben konnte. Dort kam der junge Mann schließlich auch noch zu Fall! Alle von der Gruppe (mit Ausnahme der jungen Frau) beteiligten sich teils auch schiebend und stoßend, teils indem sie die Aktion gegen die anderen jungen Leute abschirmten.

Der oben erwähnte ältere Teilnehmer, der sich auf zwei Nordic Walking Stöcke stützte, hatte sich sich seitwärts entfernt und schrie nun äußerst vernehmlich: „Das dürfen Sie nicht! Sie dürfen hier niemand anfassen! Lassen Sie das sofort!“ Die anderen Teilnehmer der Diskussionsgruppe brachten ihre Unmut ebenfalls lautstark zum Ausdruck – was einiges Aufsehen erregte bei den vorbei eilenden Reisenden!

Einem anderen älteren Teilnehmer wurde versucht, seine Videokamera aus der Hand zu schlagen mit den Worten: „Ich habe hier das Recht auf mein eigenes Bild!“ Der hat daraufhin den betreffenden DB-Angestellten aufgefordert, sich zu legitimieren und ihn nach seiner Namenskarte gefragt. Dies verweigerte der mit den Worten: „Das dürfen wir nicht“.

Er hat es dann noch einmal mit einer direkten Anfrage versucht bei der weiblichen DB-Angestellten. Die stellte ihm anheim, ihre Kenn-Nummer von einem Schild abzulesen, welches sich aber ganz klein bedruckt auf ihrer linken Brust (!) befand. Um es zu lesen, hätte er sich vorbeugen und auf ihre Brust starren müssen. Die junge Frau – sich der Peinlichkeit offensichtlich bewusst – sagte hämisch: „Ne andere habe ich nicht!“ Er hat ihr dann erklärt, er würde nun die Polizei anrufen, um ihre Identität festzustellen. Sie möge sich „zur Verfügung halten“.

Während seines Gespräches mit der Polizei, welches die Angestellte auch anfänglich mithörte, entfernte sie sich zu ihren Kollegen, die inzwischen etwas weiter weg in einer Gruppe zusammen standen und sich zu beraten schienen und verständigte diese offenbar über den Anruf bei der Polizei. Nun geschah das Unerwartete: Nach etwa zehn Minuten entfernten sich alle DB-Angestellten gemeinsam vom Ort des Geschehens – und wurden von Stund an nicht mehr gesehen!!!

Die Polizei kam allerdings nicht. Gegen 19.40 Uhr wurde sie verständigt, dass alle Teilnehmer, der Angegriffene und die Anderen, mit Eintreffen der Polizei nicht mehr rechnen und andere Wege beschreiten würden, um ihre Bürgerrechte durch zu setzen.

Zum Thema siehe auch nachfolgenden Link:

http://www.taz.de/!105501/

Was lernen wir aus diesem Vorfall am Bahnhof? Hier ist ein breiter Riss in der Schutzmauer des herrschenden repressiven Systems. Den können wir erweitern!

Was wissen wir über die Hintergründe der Überlassung des öffentlichen Grundes vor dem Bahnhof zur Nutzung an die Bahn?

Im Gegensatz zu Marcus Schreiber, dem sein unvergesslicher „Zaun gegen Obdachlose“ eine eigene Herzensangelegenheit war, hat nach unseren Informationen sein Nachfolger im Bezirksamt Andy Grote lediglich eine Weisung des Senats pflichtgemäß umgesetzt. Das heißt, die Weisung muss von ganz oben sozusagen aus dem „Führerhauptquartier“ gekommen sein. Das heißt wiederum, wir müssen Olaf Scholz zur Person hier ein wenig bekanntes Video: http://www.youtube.com/watch?v=vxvHzLV83BQ unmissverständlich klar machen, dass für die SPD die nächste Wahl NICHT am Bahnhof oder am Schulterblatt (Rote Flora) gewonnen (oder verloren) wird, sondern dass er die Köpfe und Herzen der Menschen mit urbanem Lebensgefühl gewinnen muss, also denen, die hier in dieser großen Stadt leben und denen dies mehr bedeutet, als hier nur gut Geld zu verdienen und brav zu konsumieren.

Also: „Rauchen & Saufen für Bürgerrechte & Demokratie“ jeden Donnerstag um 18 Uhr am Hauptbahnhof vor der Wandelhalle Ausgang Kirchenallee!


1 Antwort auf „„Rauchen & Saufen für Bürgerrechte & Demokratie““


  1. 1 Weiteres Neues aus Absurdistan. Siebter Bericht « altopia Pingback am 28. Februar 2013 um 16:34 Uhr
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