Archiv für März 2013

Neues aus Absurdistan. Neunter und zehnter Bericht.

.Vorbemerkung:

Auch wenn wir doch eigentlich „nur noch schnell die Welt retten“ (Tim Benzko) müssten …. Hier dennoch weitere Berichte „nur“ vom Hamburger Hauptbahnhof. Dort wird nämlich auf einem öffentlichen Platz, der ein „Forum“ darstellen könnte, auf dem sich buntes vielfältiges großstädtisches Leben abspielt, gerade dieses im Auftrag der Stadtpolitiker von der Bahn AG unter Berufung auf ein rechtlich fragwürdiges „Hausrecht“ mit Hilfe von deren Unsicherheitskräften mit allerlei Willkürmaßnahmen unterdrückt. Und das Alles untermalt von unerträglich lauter bombastischer klassischer Musik , wodurch jede normale Unterhaltung unmöglich gemacht wird. Dies ist ein hässliches Erbe immer noch aus der Amtszeit des ehemaligen (inzwischen „politisch verstorbenen“) Innensenators („Richter gnadenlos“) Ronald Barnabas Schill!

Ob das Simone Young, die Generalmusikdirektorin (GMD) unserer Stadt weiß und billigt, wozu hier dieses kostbare Kulturgut hier missbraucht wird – nämlich zur Vertreibung von „unerwünschten“ Personengruppen?

Hier die Berichte:

Am 07. und am 14.03.2013 traf sich wieder eine Gruppe von Menschen an dem bekannten Ort am Hauptbahnhof, um den Skandal der Vertreibung unliebsamer Personen und die Sicherheitslage am Bahnhof und dessen Sicherheitsarchitektur überhaupt zu diskutieren.

Am 07.03. 2013 berichtete eine Teilnehmerin darüber, dass das vorangegangene Treffen für sie noch ein „Nachspiel“ gehabt hatte. Hier ihr Bericht:

Nachdem ich am 28.02.2013 an der Diskussionsgruppe teilgenommen hatte, verließ ich gegen 20:00 Uhr den Vorplatz durch die Wandelhalle in Richtung Glockengießerwall. Etwas abseits vom Menschenstrom, am Steintorwall sah ich dann, wie zwei Ordner in schwarzen Uniformen einen Mann rüde und laut aus dem Tunnelzugang trieben (westlicher Zugang zum Südsteg). Beide stießen ihn abwechselnd gegen die Brust, pöbelnd schubsten sie ihn rückwärts, dass er fast zu stolpern drohte. Als ich etwa auf Höhe des zweifelhaften Geschehens angekommen bin, zögerte ich nicht lange und fragte freundlich die beiden Ordner, ob sie denn der Meinung wären, dass ihr Ton der Situation und ihrer Aufgabe angemessen sein. Meine Einmischung war den beiden Ordnern offensichtlich unangenehm, jedoch erhielt ich von einem der Herrn eine Antwort: „Er hat uns als Faschisten beschimpft!“ – der empörende, anklagende Ton sollte wohl eine Rechtfertigung ihres grenzwertigen Verhalten sein. Darauf entgegnete der Betroffene schreiend: „Ihr benimmt euch ja auch, wie richtige Faschisten!“ „Da hören sie es ja selbst!“ – schrie der kräftigere der beiden Uniformierten, und sie begannen den Mann, der versuchte, mich als Deckung zu benutzen, wieder gegen die Brust zu stoßen: „Du hast hier nichts zu suchen, du hast Platzverbot!“.Unerwartet war ich plötzlich mitten in der aggressiven Auseinandersetzung und hätte am liebsten den Vorwurf faschistoiden Verhaltens durch einen entsprechenden Kommentar noch untermauert, jedoch fürchtete ich eine weitere Eskalation. Also fragte ich nur sachlich, was denn „gegen den Herrn vorliegen“ würde, was derart drastische Maßnahmen rechtfertigen würde, denn schließlich würden wir immerhin in einem Land leben, in dem Grundrechte aller Menschen per Gesetz geregelt sind. Die Antwort machte mich sprachlos – sein „Vergehen“ bestand einzig darin, dass er bereits benutzte Fahrkarten an Reisende weiter verkauft hat. „Das ist schon ein Jahr her!“ – empörte sich der Mann, und an mich gerichtet: „Und geschlagen haben sie mich vorhin auch schon!“ Das schien wohl das Stichwort für den älteren der beiden Ordner zu sein, denn nun wurde er wütend und stieß wieder mit der Hand heftig gegen seine Brust: „Dann zeig mal deine Verletzungen, du Spinner!“. Antwort des Betroffenen: „Verletzungen habe ich nicht, aber ihr habt mich geschlagen!“ Worauf der Ältere: „Wenn du keine Verletzungen hast, dann haben wir dich auch nicht geschlagen, denn wenn ICH schlage, landest du garantiert im Krankenhaus, du Spinner!“ Der Betroffene richtete sich nur noch an mich: „Sie sind mein Zeuge! So behandeln sie mich dauernd! Den (auf den Älteren zeigend) kenne ich schon, Dienstnummer 1097! Merken sie sich die Nummer, 1097!“… Immer noch um einen sachlichen, ruhigen Ton bemüht, fragte ich den aufgebrachten Ordner erneut, was denn nun jetzt das „eigentliche Vergehen“ des Herrn sei, welches derart rüdes Eingreifen und menschenverachtendes Verhalten/Ton seitens der DB-Sicherheit rechtfertigen würde. Die beiden Ordner ließen plötzlich von dem Betroffenen ab, der immer noch laut die „Dienstnummer 1097!“ wiederholte. „Das hat doch keinen Sinn zu diskutieren! Hau ab, du hast hier nichts zu suchen!“ – sie verschwanden dann rasch in der Unterführung. Ich unterhielt mich noch eine Weile mit dem aufgeregten Mann und machte ihn auf die wöchentliche „Mahnwache(n) gegen Bahnwache“ – Aktion aufmerksam. Ich lud ihn ein nächsten Donnerstag seine Situation und Betroffenheit in der Gruppe öffentlich mit uns zu diskutieren.

Am 14.03.2013 fand sich neben zahlreichen anderen von den Maßnahmen Betroffenen nun auch der oben erwähnte Mensch ein, bedankte sich bei seiner Zeugin/Unterstützerin und berichtete, dass es ihm nicht gelungen sei herauszufinden, in wessen Auftrag die beiden „Ordner“ mit körperlicher Gewalt gegen ihn tätig geworden seien.

Als eine Reaktion auf alle derartigen Vorfälle nimmt sich innerhalb der Diskussionsgruppe die Initiative „Mahnwache(n) gegen Bahnwache“ vor, über den öffentlichen Protest hinaus sich auch als „Denk- und Schreibwerkstatt“ für die Betroffenen zu verstehen und die
zahlreichen Beschwerden gegen das gewalttätige Vorgehen des Sicherheitsdienstes zu sammeln, Beschwerden zu schreiben und rechtliche Schritte vorzubereiten.

Anstelle der Schilderung weiterer Vorfälle hier ein Video-Bericht:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=1bsU2GsNqrI

Und des Weiteren ein Link zu einem engagierten Artikel aus der „taz“, der dankenswerter Weise auch auf die Bewaffnung dieser sog. „Ordnungs- und Sicherheitskräfte“ eingeht, die ja gerne in der Mainstream-Berichterstattung wie gutmütige Sozialarbeiter dargestellt werden – nur eben in Uniform. Dabei handelt es sich nicht einmal um eine Uniform, denn die bleibt Polizei und Grenzschutz, Strafvollzugsbeamten und natürlich dem Militär vorbehalten, weil nur diese „Kräfte“ im Auftrag des Staates hoheitliche Aufgaben erfüllen. Die Sicherheitsdienst-Leute aller Art tragen lediglich eine UBK das heißt eine „Unternehmensbekleidung“ – die allerdings bei der Bahnwache der Bahn AG besonders martialisch und daher einschüchternd wirkt!

http://www.taz.de/Unsicherheitsdienste-zur-Stadtbildverschoenerung/!113205/

Kommentar:

Hier nochmal zusammengefasst die Bewaffnung der Bahnwache:
- eine stichfeste Schutzweste als Teil einer passiven Bewaffnung
- voluminöse Lederhandschuhe aus festem Leder (gefüllt mit ….?)
- Pfefferspray (oder doch auch Reizgas wie die Polizei?)
- Handschellen (zwecks Einschüchterung offen am Gürtel getragen)
– einen Teleskopschlagstock für Polizei und Sicherheitskräfte (relativ unauffällig parallel zum Gürtel getragen).

Bei dem „Teleskopschlagstock Polizei“ handelt es sich um eine potentiell tödliche Waffe. Durch Knopfdruck springt der Schlagstock auf und wird zu einem starren Rohr – er ist also kein wie vom Volksmund so genannter „Gummiknüppel“ und auch keine elastische Rute wie der volkstümlich so genannte „Totschläger“. Er wird gehandhabt wie ein Kurzschwert der alten Römer (Gladio/daher auch der Name des Schwertträgers: Gladiator) wobei sowohl mit dem Rohr wie mit einer Schwertklinge geschlagen, als auch der Knauf des Griffstücks gegen den Gegner eingesetzt wird. Siehe dazu folgendes Video:

http://www.youtube.com/watch?v=ndshH0sGMl4

Meinungsumfrage: Wie würden sie sie sich fühlen, wenn sie von ihrer Sicherheits-Firma als Bahnwache am Hamburger Bahnhof wie oben beschrieben bewaffnet eingesetzt würden:

a) wie ein Krieger/Gladiator?
b) wie ein Sozialarbeiter?

Spaß beiseite!

Lasst uns also aus Protest weiterhin die willkürlichen Haus-Regeln der Bahn brechen unter dem Motto: „Rauchen & (übermäßig) trinken & betteln & Flaschen sammeln & fotografieren und filmen für Grundrechte & Demokratie – und für mehr Sicherheit am Bahnhof!“

Und schauen wir weiterhin den von den Betroffenen so genannten „schwarzen Sheriffs“ auf die Finger unter der Überschrift: „Mahnwache(n) gegen Bahnwache!“

Und zwar jeden Donnerstag um 18:00 Uhr am Hauptbahnhof
vor der Wandelhalle (Ausgang Kirchenallee) gegenüber der Dienststelle (Inspektion) der Bundespolizei.

Neues aus Absurdistan. Achter Bericht.

Neues aus Absurdistan. Achter Bericht.

Am 28.02.2013 traf sich wieder eine Gruppe von Menschen an dem bekannten Ort am Hauptbahnhof, um den Skandal der Vertreibung unliebsamer Personen und die Sicherheitslage am Bahnhof und dessen Sicherheitsarchitektur überhaupt zu diskutieren.

Die Gruppe, bestehend wieder aus regelmäßigen Teilnehmern_innen und auch dazu gekommenen von den Vertreibungsmaßnahmen betroffenen Menschen, blieb – obgleich rauchend und trinkend – diesmal über längere Zeit von den „schwarzen Sheriffs“ unbehelligt, obwohl durch keinerlei Fernsehkameras geschützt. Schließlich tauchte doch eine Doppelstreife bestehend aus einer jüngeren Frau und einem Mann auf und verwies wegen Rauchens zunächst einige in der Nähe stehende junge Menschen an den Rand der Glasüberdachung. Die folgten der Aufforderung widerspruchslos sichtlich irritiert aber auch amüsiert und lachend. Danach steuerte die DB-Sicherheitsmitarbeiterin auf die Diskussionsgruppe zu, drängte sich durch die Teilnehmer bis hindurch zu einem Obdachlosen, der sich auf den Boden gehockt hatte. Diesen forderte sie mit erhobener Stimme auf das Rauchen einzustellen und sich zu entfernen. Der aber befolgte die Aufforderung nicht. Das musste er auch deshalb nicht, weil sich einige Teilnehmer der Gruppe zwischen ihn und die eifrige Bahnhofsschützerin geschoben hatten und diese abdrängten – ein Teilnehmer dabei freundlich öfter die Worte wiederholend: „Es ist ziemlich kalt hier heute Abend“. Zur Erklärung, warum gerade er angesprochen wurde, sagte der Obdachlose später:“Die kennt mich. Ich bin ja schließlich 20 Stunden am Bahnhof.“ Danach verschwand die Doppelstreife – ohne weitere Maßnahmen ergriffen zu haben – in Richtung ihres Aufenthaltsraumes im Container der Polizeiwache. Für den Rest der Zeit blieb die Gruppe dann wieder unbehelligt.

Es muss aus dem Verhalten der Sicherheitsmitarbeiterin geschlossen werden, dass die Aufgabe dieser Bahnwache eben doch die Vertreibung „unerwünschter Personen“ ist, während sie nicht zu dem Personenkreis Gehörende, die dort gegen Hausordnung verstoßen, offenbar durchaus gutmütig gewähren lassen dürfen. Vor einigen Wochen hatte – allerdings einer dieser Sicherheitsdienstler noch erklärt, sie müssten jeden Verstoß ahnden, weil sie sonst selbst Schwierigkeiten bekommen würden und bei ihrem Handeln durch Kameras überwacht würden.

Hier noch ein Link zum aktuellen Video der Aktion „Mahnwache(n) gegen Bahnwache!“

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=B6j4uDIxHzo

Kommentar:

Vorweg einige Überlegungen zu der Frage, was die Vorgänge am Hauptbahnhof zu tun haben, mit dem Gedanken- und Ideengut der Occupy-Bewegung.
Hier scheint uns der entscheidende Punkt zu sein: Mit der physischen Besetzung des Zuckotti Parks in NY durch OWS wurde bewusst ein Tabubruch begangen, indem öffentlicher Raum besetzt wurde. um dort zu bleiben (!). Also wurde ein Platz okkupiert als ein Raum (space), in dem die grundsätzliche Infragestellung staatlichen politischen Handelns vor sich gehen konnte, während gleichzeitig die Zelte des Camps die Botschaft des Widerstands für alle sichtbar machten. Dies wurde seitens des angegriffenen Systems auch genau so verstanden und daher kam es, dass sich nach anfänglicher Duldung die Bürgermeister aller großen Städte Amerikas zu einer gemeinsamen Aktion verabredeten und die Occupy Camps landesweit durch die Polizei räumen ließen. Dennoch fand die Bewegung andere Aktionsformen. Das heißt, sie ist noch lange nicht am Ende.

Am Hamburger Hauptbahnhof wurde öffentlicher Raum vernichtet, der zuvor als ein Forum der Begegnung und Kommunikation gedient hatte. Die Aktionen, an denen sich Menschen aus unterschiedlichen politischen Zusammenhängen beteiligen, sollen dazu dienen, diesen Raum zurück zu erobern und dann zu halten.
Es ist daher folgerichtig, dass eine ganze Reihe von Aktivisten von Occupy Hamburg sich von Anfang an daran beteiligt haben und noch heute daran beteiligt sind. Wünschenswert wäre auch, dies deutlich für die Öffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen, gerade jetzt, wo das Camp als Widerstandsort in der Stadt in seiner Existenzberechtigung infrage gestellt wird mit dem Argument, von ihm gingen keine politischen Aktionen mehr aus und die dort lebenden Menschen könnten genau so gut in Obdachlosen (!) Unterkünfte umziehen.

Lasst uns also aus Protest weiterhin die willkürlichen Haus-Regeln der Bahn brechen unter dem Motto: „Rauchen & (übermäßig) trinken & betteln & Flaschen sammeln & fotografieren und filmen für Grundrechte & Demokratie – und für mehr Sicherheit am Bahnhof!“

Und schauen wir weiterhin den von den Betroffenen so genannten „schwarzen Sheriffs“ auf die Finger unter der Überschrift: „Mahnwache(n) gegen Bahnwache!“

Und zwar jeden Donnerstag um 18:00 Uhr am Hauptbahnhof
vor der Wandelhalle (Ausgang Kirchenallee) gegenüber der Dienststelle (Inspektion) der Bundespolizei.