Neues aus Absurdistan. Achter Bericht.

Neues aus Absurdistan. Achter Bericht.

Am 28.02.2013 traf sich wieder eine Gruppe von Menschen an dem bekannten Ort am Hauptbahnhof, um den Skandal der Vertreibung unliebsamer Personen und die Sicherheitslage am Bahnhof und dessen Sicherheitsarchitektur überhaupt zu diskutieren.

Die Gruppe, bestehend wieder aus regelmäßigen Teilnehmern_innen und auch dazu gekommenen von den Vertreibungsmaßnahmen betroffenen Menschen, blieb – obgleich rauchend und trinkend – diesmal über längere Zeit von den „schwarzen Sheriffs“ unbehelligt, obwohl durch keinerlei Fernsehkameras geschützt. Schließlich tauchte doch eine Doppelstreife bestehend aus einer jüngeren Frau und einem Mann auf und verwies wegen Rauchens zunächst einige in der Nähe stehende junge Menschen an den Rand der Glasüberdachung. Die folgten der Aufforderung widerspruchslos sichtlich irritiert aber auch amüsiert und lachend. Danach steuerte die DB-Sicherheitsmitarbeiterin auf die Diskussionsgruppe zu, drängte sich durch die Teilnehmer bis hindurch zu einem Obdachlosen, der sich auf den Boden gehockt hatte. Diesen forderte sie mit erhobener Stimme auf das Rauchen einzustellen und sich zu entfernen. Der aber befolgte die Aufforderung nicht. Das musste er auch deshalb nicht, weil sich einige Teilnehmer der Gruppe zwischen ihn und die eifrige Bahnhofsschützerin geschoben hatten und diese abdrängten – ein Teilnehmer dabei freundlich öfter die Worte wiederholend: „Es ist ziemlich kalt hier heute Abend“. Zur Erklärung, warum gerade er angesprochen wurde, sagte der Obdachlose später:“Die kennt mich. Ich bin ja schließlich 20 Stunden am Bahnhof.“ Danach verschwand die Doppelstreife – ohne weitere Maßnahmen ergriffen zu haben – in Richtung ihres Aufenthaltsraumes im Container der Polizeiwache. Für den Rest der Zeit blieb die Gruppe dann wieder unbehelligt.

Es muss aus dem Verhalten der Sicherheitsmitarbeiterin geschlossen werden, dass die Aufgabe dieser Bahnwache eben doch die Vertreibung „unerwünschter Personen“ ist, während sie nicht zu dem Personenkreis Gehörende, die dort gegen Hausordnung verstoßen, offenbar durchaus gutmütig gewähren lassen dürfen. Vor einigen Wochen hatte – allerdings einer dieser Sicherheitsdienstler noch erklärt, sie müssten jeden Verstoß ahnden, weil sie sonst selbst Schwierigkeiten bekommen würden und bei ihrem Handeln durch Kameras überwacht würden.

Hier noch ein Link zum aktuellen Video der Aktion „Mahnwache(n) gegen Bahnwache!“

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=B6j4uDIxHzo

Kommentar:

Vorweg einige Überlegungen zu der Frage, was die Vorgänge am Hauptbahnhof zu tun haben, mit dem Gedanken- und Ideengut der Occupy-Bewegung.
Hier scheint uns der entscheidende Punkt zu sein: Mit der physischen Besetzung des Zuckotti Parks in NY durch OWS wurde bewusst ein Tabubruch begangen, indem öffentlicher Raum besetzt wurde. um dort zu bleiben (!). Also wurde ein Platz okkupiert als ein Raum (space), in dem die grundsätzliche Infragestellung staatlichen politischen Handelns vor sich gehen konnte, während gleichzeitig die Zelte des Camps die Botschaft des Widerstands für alle sichtbar machten. Dies wurde seitens des angegriffenen Systems auch genau so verstanden und daher kam es, dass sich nach anfänglicher Duldung die Bürgermeister aller großen Städte Amerikas zu einer gemeinsamen Aktion verabredeten und die Occupy Camps landesweit durch die Polizei räumen ließen. Dennoch fand die Bewegung andere Aktionsformen. Das heißt, sie ist noch lange nicht am Ende.

Am Hamburger Hauptbahnhof wurde öffentlicher Raum vernichtet, der zuvor als ein Forum der Begegnung und Kommunikation gedient hatte. Die Aktionen, an denen sich Menschen aus unterschiedlichen politischen Zusammenhängen beteiligen, sollen dazu dienen, diesen Raum zurück zu erobern und dann zu halten.
Es ist daher folgerichtig, dass eine ganze Reihe von Aktivisten von Occupy Hamburg sich von Anfang an daran beteiligt haben und noch heute daran beteiligt sind. Wünschenswert wäre auch, dies deutlich für die Öffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen, gerade jetzt, wo das Camp als Widerstandsort in der Stadt in seiner Existenzberechtigung infrage gestellt wird mit dem Argument, von ihm gingen keine politischen Aktionen mehr aus und die dort lebenden Menschen könnten genau so gut in Obdachlosen (!) Unterkünfte umziehen.

Lasst uns also aus Protest weiterhin die willkürlichen Haus-Regeln der Bahn brechen unter dem Motto: „Rauchen & (übermäßig) trinken & betteln & Flaschen sammeln & fotografieren und filmen für Grundrechte & Demokratie – und für mehr Sicherheit am Bahnhof!“

Und schauen wir weiterhin den von den Betroffenen so genannten „schwarzen Sheriffs“ auf die Finger unter der Überschrift: „Mahnwache(n) gegen Bahnwache!“

Und zwar jeden Donnerstag um 18:00 Uhr am Hauptbahnhof
vor der Wandelhalle (Ausgang Kirchenallee) gegenüber der Dienststelle (Inspektion) der Bundespolizei.