Archiv für April 2013

Neues aus Absurdistan.

Neues aus Absurdistan.
Elfter bis fünfzehnter Bericht.

Auch an allen Donnerstagen zwischen dem 28.03. bis zum 18.04.2013 trafen sich wieder Menschen an dem bekannten Ort am Hauptbahnhof, um den Skandal der Vertreibung unliebsamer Personen und die Sicherheitslage am Bahnhof und dessen Sicherheitsarchitektur überhaupt zu diskutieren.
Wie auch bei den letzten Malen zuvor blieb die Gruppe mitsamt ihren „Gästen“ aus dem Bereich der sog. „Randgruppen“ völlig unbehelligt – auch dann als sich die Gruppe geschlossen (mit Fahrrad!) in die Wandelhalle begab, um dort weiter zu diskutieren. Dies ging dann viel besser, weil nicht nicht so laut geschrien werden musste. Andererseits aber kamen die Raucher auf Entzug. Also wieder hinaus ins Freie auf den – leider nicht mehr öffentlichen – Platz!
Es überrascht immer wieder, wie viele Menschen dort unter dem Vordach wieder rauchen und Getränke zu sich nehmen!
Die Gespräche kreisten um das Hauptthema: Dürfen überhaupt diese privaten Sicherheitsdienst-Mitarbeiter zur Durchsetzung ihres vermeintlichen Hausrechts körperliche Gewalt anwenden, oder müssen sie dazu die Polizei rufen. Wohlgemerkt: es geht dabei nicht um Situationen, in denen sie unmittelbare Gefahr von Reisenden – oder von sich selbst abwenden müssen! Hier sind sich alle Protestierenden einig, dass dies nicht geschehen dürfe, weil rechtlich nicht zulässig!
Hier ein Beispiel (in bewegten Bildern) für das, was sich am Bahnhof täglich abspielt, wenn gerade keine „mahnwachenden“ Beobachter zugegen sind:

http://www.youtube.com/watch?v=NzBk83jsGLo

Wir haben übrigens jetzt auch eine Homepage:

http://www.mahnwachegegenbahnwache.de

Lasst uns also auf dem Bahnhofsvorplatz aus Protest weiterhin die willkürlichen Haus-Regeln der Bahn brechen unter dem Motto: „Rauchen & (übermäßig) trinken & betteln & Flaschen sammeln & fotografieren und filmen für Grundrechte & Demokratie – und für mehr Sicherheit am Bahnhof!“
Und schauen wir weiterhin den so genannten „schwarzen Sheriffs“ auf die Finger unter der Überschrift: „Mahnwache(n) gegen Bahnwache!“

Und zwar jeden Donnerstag um 18:00 Uhr am Hauptbahnhof
vor der Wandelhalle (Ausgang Kirchenallee) gegenüber der Dienststelle (Inspektion) der Bundespolizei.

DEMO Hartz IV

Bitte den 8. Mai als Termin im Kalender vormerken!

Es müssen ja (wie wünschenswert) nicht gleich 10.000 werden, die zu der unten angezeigten „Veranstaltung“ kommen. Auch ein paar Hundert (Teilnehmer_innen) würden den Mächtigen schon weh tun.

Ich habe Inge Hannemann vorgestern am Bahnhof getroffen und hatte Gelegenheit, mich mit ihr eine Viertelstunde zu unterhalten, während sie auf die Ankunft eines Besuchers aus Berlin wartete. Leute, Inge ist voller Energie und entschlossen, etwas zu bewegen. Sie ist ganz bei sich und mit sich (also mit einem Fremdwort gesagt: authentisch) und sie verdient Unterstützung von jedem von uns für ihre Sache – die auch die unsrige ist! Sie erzählte, dass sie dieser Tage im Camp gewesen sei, um Flyer abzugeben. Ich fragte sie: „Wie hat denn Occupy reagiert?“ Ihre Antwort: „Er hat genickt.“ (Wer immer „er“ war jetzt wird er sich erinnern.) Sie sei gegangen mit den Worten: „Ich erwarte euch dann am 8. Mai!“

Hier ein offener Brief, den Inge in diesen Tagen an ihre Kolleg_innen in den sog. „Jobcentern“ geschrieben hat:

http://altonabloggt.wordpress.com/

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Jobcentern. Seit nunmehr sieben Wochen sorge ich mit meiner öffentlichen Kritik für Wirbel. Ich bin erstaunt, dass es schon sieben Wochen sind. Mir kommt es vor, als wäre es erst gestern oder vorgestern gestartet. Wochen mit Hochs und Tiefs. Aber auch Wochen, in denen ich sehr viel, vor allem intellektuell, gelernt habe. Erfahrungen, die ich nicht mehr missen möchte, und die mich sicher mein Leben lang begleiten werden. Ich habe sehr viel Zuspruch erhalten, aber natürlich auch Ablehnung. Das war mir im Vorfeld bewusst und ich bin auch für die Kritik aus den eigenen Reihen dankbar. Konstruktive Kritik, sofern sie eine ist, ist bereichernd und sollte durchaus diskutiert werden.
Die vielen Mails und Outings von Euch, zeigen mir, dass es auch im Inneren der Jobcenter brodelt. Dass ein Nachdenken entsteht. Sie zeigen mir aber auch, dass die Angst vor Repressalien von Oben und vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes und der darauffolgenden Existenzangst sehr groß ist. Und ich denke, dass ich nichts Falsches behaupte, dass diese Angst durchaus berechtigt ist. Mein eigener „Fall“ zeigt dieses ja deutlich. Allerdings überlege ich, was ist die Prämisse? Meine eigene Existenz oder die Existenz eines würdigen Lebens von Millionen Erwerbslosen. Was wiegt mehr? Und wiegt es nicht mehr, unseren Rechtsstaat so einzufordern, wie wir es als Bürger verdienen?
Selbstverständlich habe ich mir auch darüber Gedanken gemacht, warum handeln ihr so, wie es der große Aufschrei durch die leidgeprüften Leistungsberechtigten zeigt. Ist es die reine Ausübung von Weisungen, ist es die eigene Angst vor Repressalien, ist es eine Ohnmacht, ist es Ignoranz oder ist es gewollt. Ich befürchte, es ist ein Mix von Allem. Hier möchte ich nochmals ganz klar zum Ausdruck bringen, dass ich niemals von euch allen als Kollektiv gesprochen habe. Ich spreche von Kollegen, die Weisungen ausführen, ohne darüber nachzudenken, was sie tun. Auch ich kenne sehr viele Kollegen, die bemüht sind, empathisch und entsprechend ihrer Kräfte im Sinne der „Kunden“ zu agieren. So lange sie es schaffen und die Kraft dafür aufwenden. Kollegen schrieben mir dazu unter anderem: „Das Hartz-System ist menschenunwürdig, grundgesetzwidrig, unsozial, zerbricht die betroffenen KollegInnen und Hilfesuchenden.“ Sie versuchen sich treu zu bleiben, soweit es die Kraft zulässt. Und das ist der springende Punkt. So weit es die Kraft zulässt. Auch sie stehen unter dem Druck von Oben und durch uns als Kollegen. Statt dem entgegen zu wirken, werden diese Kollegen großem Mobbing und Bossing ausgesetzt. Die Beurteilung fällt entsprechend aus, obwohl gerade sie, einen Anspruch auf eine Gute haben.
Selbstverständlich habe auch ich in einen Ein-Euro-Job vermittelt. Einen jungen Menschen. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin. Dieser junge Mensch wurde von mir über diesen Ein-Euro-Job vollständig aufgeklärt und das die Chance nicht besteht, in ein festes Arbeitsverhältnis oder Ausbildung zu gelangen. Dieser junge Mensch ist zufrieden, dort wo er derzeit steht. Er fühlt sich gebraucht und vor allem sozial anerkannt. Auf seinen Wunsch hin, wurde diese nochmals verlängert. Eine Zukunft ist es jedoch nicht.
Ebenso habe ich auch in meiner Vergangenheit sanktioniert. Den Satz, ich wusste es nicht besser und wir müssen es ja, lasse ich allerdings auch bei mir nicht gelten. Eine Dummheit, die ich heute umso mehr bereue, als mir klar wurde, was ich damit anrichte. Bei diesen Menschen habe ich mich persönlich entschuldigt und die Gespräche gesucht. Inzwischen sind mir die Gründe des Nichterscheinens bekannt. Es waren Menschen, die ich nicht an den Tisch bekommen habe. Die Gründe für das Nichterscheinen waren die Ängste vor dem Jobcenter, vor einer neuen Arbeitsvermittlerin, die ja vermutlich nur wieder in einen Ein-Euro-Job vermitteln möchte. Eine Arbeitsvermittlerin, die einen ebenso großen Druck ausüben wird, wie sie zuvor erlebt haben. Gebrochene junge Menschen. Aussagen von Menschen, die ihr Leben vor sich haben. Ich habe mich nur noch geschämt und dieses auch so klar ausgedrückt.
Und hier fängt meine Kritik an. Es werden Aktionen durchgeführt, wo das eigene Nachdenken unterbleibt. Ja, wir haben Weisungen. Wir haben aber auch einen eigenen Kopf und so hoffe ich ein Herz und ein Gewissen. Und genau dieses suche ich. Warum erzählt ihr mir als Sozialpädagogen, dass nur mit Druck und Geldentzug die Erwerbslosen an den Tisch kommen? Ist es so? Habt ihr nicht im Studium gelernt, dass Druck Gegendruck erzeugt? Das Druck, vor allem wenn die Existenz bedroht ist, zu Ängsten und zu schwersten Depressionen führt. Und gerade die darauffolgende Depression macht es einem Menschen unmöglich zu agieren. Sie verkriechen sich in ihren eigenen vier Wänden. Es fehlt die Kraft zum Aufstehen und Licht in die Seele zu lassen. Dieses Gefühl ist so mächtig, dass sie dann lieber das reduzierte Geld in Kauf nehmen. Ein Teufelskreis entsteht. Allerdings nur beim Betroffenen. Wie reagieren wir als Jobcenter? Es folgt die nächste Sanktion bis hin zur Vollsanktion. Die weiteren Folgen sind bekannt. Es ist ein leichtes für uns die Sanktionsanhörung und die anschließende Sanktionsverfügung zu erstellen und auf den Postweg zu bringen. Fünfzehn Minuten Administratives gegen ein Leben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr müsst nicht mit mir einer Meinung sein; aber ich bitte euch inständig, geht in euch, reflektiert euch selbst und versucht nachzuempfinden, wie ihr euch fühlen würdet, wenn ihr so behandelt werdet. Dieses ist ein Leichtes. Denkt einfach nur darüber nach, wie ihr euch fühlt, wenn ihr in den Jobcentern aufbegehrt und die Folgen daraus. Nicht anders ergeht es den Erwerbslosen. Sie haben ein Recht auf Leben, so wie wir es auch für uns beanspruchen. Es gibt und darf keine Differenzierung zwischen den Schreibtischseiten geben. Auch wir können morgen Betroffene sein. Wir sind die Agierenden, auch wenn es scheint, der Druck kommt aus Berlin oder Nürnberg oder aus den eigenen Reihen. Nein, so ist es nicht! Wir sind für unser Handeln und Gefühle selbst verantwortlich. Wären wir es nicht, wären wir Maschinen. Und ich schlage vor, dass wir am 2. Mai 2013 um 11.55 Uhr eine Schweigeminute einlegen, für alle Erwerbslosen, die wir in Not, in Demütigung und in den Verlust der Menschenwürde getrieben haben. Freue mich auf Rückmeldung von euch. Vielen Dank! In diesem Sinne…
Kollegiale Grüße
Inge Hannemann

Neues aus Absurdistan. Zehnter und elfter Bericht.

Neues aus Absurdistan. Zehnter und elfter Bericht.

Vorbemerkungen (mit Musik):

Musik, die Erste: auch wenn wir als gute Aktivisten doch eigentlich im ganzen fortwährend „noch schnell die Welt retten“ (Tim Benzko), kümmern wir uns doch auch weiter um den Hamburger Hauptbahnhof als um einen Ort, an dem Widerstand zu leisten ist. Dort wird nämlich auf einem öffentlichen Platz, der ein „Forum“ darstellen könnte, auf dem sich buntes vielfältiges großstädtisches Leben abspielt, gerade dieses im Auftrag der SPD-Stadtpolitiker von der Bahn AG unter Berufung auf ein rechtlich fragwürdiges „Hausrecht“ mit Hilfe von deren Unsicherheitskräften mit allerlei Willkürmaßnahmen im Keim erstickt.

Musik, die Zweite: und das Alles untermalt von unerträglich lauter bombastischer klassischer Musik, wodurch jede normale Unterhaltung unmöglich gemacht wird. Damit wird dieses kostbare Kulturgut hier missbraucht – nämlich zur Vertreibung von sog. „unerwünschten“ Personengruppen! Dies ist immer noch ein,, hässliches Erbe aus der Amtszeit des ehemaligen (mittlerweile „politisch verstorbenen“) Innensenators („Richter gnadenlos“) Ronald Barnabas Schill – inzwischen nun liebevoll gehütet vom SPD-Senat!

Zur Erinnerung ein Video dazu aus dem unerschöpflichen Fundus von Youtube. Darin kommen alle Akteure vor, die auch heute noch für die Politik am Bahnhof eine Rolle spielen – auch wenn Ole von Beust (von BLÖD seinerzeit zum„Bürgermeister der Herzen“ hochgejubelt) inzwischen auch „politisch verstorben“ ist. Das ist nämlich das bürgerliche Lager mit seinen machtvollen Medien, das Olaf Scholz zu fürchten hat, deshalb liegt ihm so sehr daran, am Bahnhofsvorplatz zu zeigen, dass er und seine Genossen „die besseren Hardliner“ sind (Zitat: Kai von Appen von der „taz“).

http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&v=-dQqfCp6DIo&NR=1

Hier die Berichte:

Am 21.03. und am 28.03.2013 traf sich wieder eine Gruppe von Menschen an dem bekannten Ort am Hauptbahnhof, um den Skandal der Vertreibung unliebsamer Personen und die Sicherheitslage am Bahnhof und dessen Sicherheitsarchitektur überhaupt zu diskutieren.

Wie auch bei den letzten Malen zuvor schon blieb die Gruppe unbehelligt. Lediglich zwei Polizeibeamte in Zivil beobachteten von Anfang an das Geschehen aus der Ferne, dabei demonstrativ desinteressiert tuend. Einige Obdachlose und eine Handvoll junger Punker, die sich zu der Gruppe gesellt hatten, blieben (offenbar im Schutze dieser) ebenfalls unbehelligt.
Es überraschte auch wieder, wie viele Menschen unter dem Vorplatz wieder rauchen und Getränke zu sich nehmen. Insgesamt entstand der Eindruck, dass die „andere Seite“ die ganze Angelegenheit aus sitzen will. Auf diesem Hintergrund wurden Überlegungen bezüglich anderer erweiterter Aktionsformen angestellt.

Kommentar:

Auch die Wandelhalle des Bahnhofs ist (bzw. war) letzten Endes einmal ein öffentlicher Raum. Dadurch, dass daraus ein Einkaufszentrum gemacht wurde, wurde allerdings das öffentliche Leben eingeschränkt lediglich auf: das Tätigen von Einkäufen (in Schickimicki-Läden) und das Erreichen von Verkehrsmitteln – wozu es allenfalls noch das Durchqueren der Halle kommt, um die (kostenpflichtigen!) Toiletten zu erreichen oder auf die andere Seite des Bahnhofes zu gelangen. Konsequenter Weise werden daher auch hier sog. „unerwünschte Personengruppen“ vertrieben! Daher dachten wir daran – um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen – nun auch diesen Raum mit Aktionen zu „bespielen“, Als einen ersten Schritt haben wollen wir morgen Abend besprechen, ob wir unsere Diskussionsgruppe ein oder mehrere Male (ab einem bestimmten Zeitpunkt – nach dem wir uns am gleichen Ort, wie bisher getroffen haben) in die Wandelhalle zu verlegen wollen. Das hätte den unschätzbaren Vorteil, dass wir uns dort mit relativ normaler Stimme unterhalten könnten, ohne uns anschreien zu müssen wie unter den Glasdächern des Bahnhofsvorplatzes. Würden wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen, würden wir es mit dem eigenen Sicherheitsdienst der Wandelhalle zu tun bekommen und es wird spannend, ob denn diese Damen und Herren etwas daran auszusetzen haben werden, dass wir uns dort treffen und uns über Alles besprechen was wir bezüglich der Sicherheitsarchitektur des Bahnhofs wissen wollen uns „aber noch nicht zu fragen“ bzw. auszuprobieren „getraut haben“.

Im übrigen bleibt es dabei:

Lasst uns also auf dem Bahnhofsvorplatz aus Protest weiterhin die willkürlichen Haus-Regeln der Bahn brechen unter dem Motto: „Rauchen & (übermäßig) trinken & betteln & Flaschen sammeln & fotografieren und filmen für Grundrechte & Demokratie – und für mehr Sicherheit am Bahnhof!“

Und schauen wir weiterhin den so genannten „schwarzen Sheriffs“ auf die Finger unter der Überschrift: „Mahnwache(n) gegen Bahnwache!“

Und zwar jeden Donnerstag um 18:00 Uhr am Hauptbahnhof
vor der Wandelhalle (Ausgang Kirchenallee) gegenüber der Dienststelle (Inspektion) der Bundespolizei.