Die riesigen Gleisanlagen des Bahngeländes Altona bilden jetzt noch eine Lücke zwischen den Stadtteilen im Westen der Stadt. Wir setzen uns seit 2 3/4 Jahren dafür ein, dass hier keine zweite Hafencity gebaut wird – diesmal als ein Mittelstands-Ghetto. Anstelle der Gleisanlagen soll ein alltagstauglicher Stadtteil entstehen mit der gleichen sozialen Architektur wie die von Altona Altstadt und Altona Nord – auch als „Altonaer Mischung“ bezeichnet: eine bunte Mischung aus Wohnen und Arbeiten jungen Familien und älteren Menschen und vor allem mit einem hohen (37 %) Anteil von Menschen ausländischer Herkunft. Wir wollen keine Bebauung auf einen Schlag in großen Einheiten durch wenige Investoren, sondern eine kleinteilige (demokratische) Bebauung über einen längeren Zeitraum hinweg als Voraussetzung für unser Leitbild: „Vielfalt und Toleranz“.

Unser SELBSTVERSTÄNDNIS und FORDERUNGSKATALOG
(Stand Dezember 2012)

Unsere parteienunabhängige politische Initiative Altopia richtet sich an AnwohnerInnen der Stadtteile Altona-Nord, Altona-Altstadt, Bahrenfeld und Ottensen und weitere Mitstreiter aus der ganzen Stadt. Unser gemeinsam erklärtes Ziel ist es, die Planungen für das Bahngelände mitten im Herzen Altonas entscheidend in unserem Sinne zu beeinflussen. Denn wir treten mit Vehemenz einer Stadtentwicklungspolitik entgegen, in der den hier lebenden Menschen kein Raum und keine Stimme mehr zugebilligt wird.

Wir verstehen uns als Teil des Netzwerks „Recht auf Stadt“, einer Bewegung, die gegen die Gentrifizierung an verschiedenen Brennpunkten in Hamburg aktiv ist. Unter diesem Motto haben sich viele bereits bestehende Initiativen vernetzt und ständig kommen neue dazu, so auch unsere.

Gentrifizierung ist eine Folge einer Politik der Stadtentwicklung, wie sie vom Hamburger Senat gewollt betrieben wird: aus gezielt hierfür attraktiv gemachten innerstädtischen Vierteln sollen für Investoren höchste Rendite abwerfenden Handelsgüter werden, statt dass sie wie bisher Wohn- und Arbeitsorte für die dort lebenden Menschen bleiben können. Diese Logik führt daher zu einer Verdrängung und zum Austausch der dort Wohnenden gegen eine “höherwertige“ Bevölkerung nach dem Motto: „Menschen mit hohen Einkünften in zentraler Lage, Menschen mit weniger Einkommen an den Stadtrand“.

BAHNGELÄNDE ALTONA

Dieses Großprojekt, von den Planern vollmundig „Mitte Altona“ genannt, ist inhaltlich ein Teil von dem bezirklichen Zukunftsplan Altona (auch wenn inzwischen der Senat die Planung an sich gezogen hat), zu dem umfassende Bauvorhaben in den Stadtteilen Altona-Altstadt, Altona-Nord und Sternschanze gehören. Konkrete Projekte sind u.a. die Umgestaltung der Neuen Großen Bergstraße u.a. durch die Ansiedlung von IKEA, die Umgestaltung des Grünzuges Altona inkl. Bebauung von Parkflächen, die Bebauung des nördlichen Elbufers (sog. Perlenkette) und eben die Bebauung des Bahngeländes Altona vor (erster Bauabschnitt) und nach (zweiter Bauabschnitt) einer Verlegung des Fernbahnhofs nach Norden zum Diebsteich. Hierbei handelt es sich um ein Entwicklungsgebiet mit einer Fläche von rund 70 Hektar zu erschließendem Bauland.

WIR BEFÜRCHTEN

Dass das Bauvorhaben nicht sozialverträglich umgesetzt werden wird, obwohl es in dieser Hinsicht ein weltweites Pilotprojekt werden könnte, sondern hier ein völlig neuer Stadtteil (davon wird ja auch immer gesprochen!) entstehen soll, mit allen Merkmalen, die in anderen gewachsenen Stadtteilen erst durch Umstrukturierung (Gentrifizierung) herbeigeführt werden, aber hier von vorne herein auf einen Schlag verwirklicht werden sollen.

Eine stark erhöhte Verkehrsbelastung in den angrenzenden Wohngebieten. Basisdaten zur möglichen Verkehrs- und Emissionsbelastung sind unseres Wissens noch nicht erhoben auf jeden Fall aber noch nicht bekannt gemacht worden.

Tief greifende Veränderungen in den umliegenden Stadtteilen, die sich nachteilig auf die dort bestehende Sozialstruktur auswirken werden: Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen kein sozialer Wohnungsbau, enorme Belastungen für ansässige Gewerbetreibende durch steigende Gewerbemieten , also die Verdrängung ganzer Mieterschichten in den benachbarten Stadtteilen, wie sie bereits im Schanzenviertel, Ottensen oder St. Georg stattgefunden hat.
Stattdessen wollen wir, dass in diesem Neubaugebiet Freiräume entstehen, die den Menschen die offene Gestaltung ihrer lokalen Umgebung in unterschiedlichsten Nutzungsformen und Begegnung und Austausch ohne Konsum ermöglichen. Konkret: Keine monolithischen Shoppingcenter, Bürotürme oder Partymeilen, keine ausschließlich in Privateigentum befindliche Freiflächen oder Nutz-Gebäude. Wir stellen uns vor: eine positive, an den wirklichen Bedürfnissen der in den umliegenden Stadtteilen wohnenden und in dem neuen Stadtteil wohnen werdenden Menschen orientierte, soziale Entwicklungd d.h. alternative Wohnformen ergänzt durch kleinteiliges, am lokalen Bedarf orientiertes Gewerbe, gemeinwirtschaftliche und kulturelle Nutzung. Und bei allem Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse ökologischer Stadtentwicklungsplanung.

WIR FORDERN

Einen sofortigen Planungs- und Vergabestop und eine Offenlegung der bisher gewonnenen Erkenntnisse der derzeit (seit August 2010) laufenden Voruntersuchungen nach § 165 Bundes Baugesetz,

eine Prüfung der Frage, ob nicht jetzt schon nach den bisherigen Erkenntnissen (Erschließungskosten/Altlasten?) eine Durchführung der Planung nach § 166 Bundes Baugesetz zu beschließen ist,

eine Darlegung der endgültigen Ergebnisse der Vorbereitenden Untersuchungen (für Frühjahr 2012 vorgesehen)

und danach erst: eine umfangreiche und ergebnisoffene Erörterung aller Ergebnisse und die Entwicklung eines LEITBILDES für die weitere Planung zusammen mit uns Anwohner_innen,

und dann erst: Änderung des bestehenden Flächennutzungsplans und Beschluss eines Bebaungsplans nach den gesetzlichen Vorgaben.

Nach alledem sollen erst die Grundeigentümer (Bahn AG, Aurelis, Holsten/Carlsberg und weitere uns noch nicht bekannte Investoren) bei der Umsetzung einbezogen werden. Sollten diese die aus dem Planungsprozess gewonnenen Ziele nicht umsetzen wollen, werden sie im Gesamtinteresse der Stadt enteignet, hierbei wird der Bodenpreis auf der Basis der bisherigen Nutzung als Verkehrsfläche ermittelt und davon werden die Sanierungskosten (Altlasten!) abgezogen.

Wir wollen, dass wir Anwohner_innen ab sofort durch qualifizierte Informationen und einen der Bedeutung dieses Vorhabens angemessenen Beteiligungsprozess befähigt werden, ebenfalls darüber mit zu entscheiden, wie dieses große (Jahrhundert-) Vorhaben weiter geplant werden soll!

Anwohner_innen Initiative Altopia